Sizilien, aber abseits vom Tourismus und ganz viel Wein
Ostsizilien
Kein Sonnenschirm, kein Kreuzfahrthafen, keine überfüllte Strandpromenade. Mein Trip nach Ostsizilien hat mir gezeigt: Sizilien hat auch eine ruhigere Seite, abseits vom Toursimus die authentischen Weinbege zum Fusse des Etnas.

Ich hatte kein bestimmtes Bild von Sizilien im Kopf, als ich in Catania gelandet bin. Kein konkretes Klischee, dem ich widersprechen wollte.Ich kam ohne Erwartungen – und wurde trotzdem überrascht. Vier Tage, die Etna-Region, barocke Altstädte, Weinberge auf Lavaboden Wein – ganz viel Wein. Ach ja, und wirklich besondere, authentische Hotels waren auch Teil der Reise.
Castelmola – der erste Stopp, den niemand kennt
Alle kennen Taormina. Die Gassen, die Touristenrestaurants, die Selfie-Spots. Aber direkt darüber, ein paar Serpentinen (und ganz viel Kurven) höher, liegt Castelmola – ein kleines Bergdorf, das so tut, als gäbe es den Massentourismus gar nicht, zumindest als wir Ende Mai dort waren. Das Bergdorf hat auch nur ca. 1.000 Einwohner und ist geprägt von schmale Steingassen, Panoramablick aufs Ionische Meer, der Etna im Rücken. Ein kurzer Spaziergang durch die Gassen, ein klassisches sizilianisches Frühstück (Brioche mit Granita) und ein atemberaubender Blick auf das Meer. 1-2h reichen hier zwar, aber lohnen sich auch.
Für alle, die Taormina auf ihrer Liste haben: Fahrt einfach noch ein Stückchen höher. Der Unterschied ist enorm.




Etna-Region – Wein statt Strand
Sizilien und Strand – das ist das Bild, das die meisten haben. Aber die Etna-Region ist eine völlig andere Welt. Vulkanischer Boden, Weinberge, die zwischen Lavafeldern wachsen, und eine Landschaft, die gleichzeitig rau und dennoch schön ist. Wir haben morgens den Etna zu Fuß erkundet – mit einem lokalen Guide, der uns durch Lavafelder und Vulkanpfade geführt hat. Das Tempo war angenehm, es gab Zeit für Pausen und Fotos, und man versteht dabei auf einmal, warum dieser Vulkan die ganze Region so prägt. Auf den Bildern haben wir die Krater von den zwei verschiedenen Ausbrüchen (1923 und 2003). Beim früheren Ereignis wurde das touristische Dorf Piano Provenzana mitsamt Hotels und Restaurants zerstört.



Weingut Torre Morra:
Am Nachmittag hieß es dann: Weingüter. Gestartet sind wir bei Torre Morra mit einem leichten Mittagessen mit Weinverkostung, direkt mit Blick auf den Etna. Hier dreht sich alles um das Thema slow living – wie wäre es zb mit einem Käffchen bei Sunrise?
Das Boutique-Weingut hält den Fokus auf Nachhaltigkeit und ökologischem Weinbau. Tastings sind für Privatgruppen buchbar, aber es ist kein großer laufender Touristenbetrieb.

Weiter gehts: Cantine La Contea
Danach Cantine La Contea – geführte Tour durch die Weinberge und das historische Palmento (ein altes sizilianisches Keltergebäude), anschließend Verkostung von diversen Weinen (Stillweinen und Schaumweinen) mit Food Pairing. Ich glaube, ich habe lang nicht mehr so viele Weine probiert. Hier verdurstest du garantiert nicht. Was mich hier am meisten überrascht hat: Etna-Weine sind wirklich besonders. Der vulkanische Boden gibt ihnen etwas, das du woanders nicht findest – mineralisch, komplex, eigenständig.
Und unabhängig von den Weinen, war die Location und das Essen wirklich umwerfend. Blick aufs Meer, ein vorbeifahrendes Kreuzfahrtschiff und auch das Essen war unglaublich lecker und bezahlbar. Sechs Gänge gibt es hier für 70€ pro Person.


Übernachtung im Terrazze dell Etna
Übernachtet haben wir bei Terrazze dell’Etna, einem Boutique-Weingut an den Hängen des Vulkans. Rustikal, ruhig, umgeben von Weinreben und mit diesem typischen sizilianischen, authentischen Charme.

Weintasting, Snacks und Dinner wie wir es lieben
Mein Highlight der Reise: Das Passo Ladro und das Lumia Organic Restaurant. Ein unvergesslicher Abend mit Charme.
Es begann mit einem Aperitivo-Spaziergang durch den Gemüsegarten von Passo Ladro. Chef Andrea führte uns durch die Beete, wir haben frisches Gemüse direkt vom Boden gepflückt, und der Abend hatte von Anfang an etwas fast Magisches: die Abendsonne über dem Garten, der Geruch von frischen Kräutern, dieses ruhige Tempo. Ein (oder auch zwei ;)) Aperitivo in der Abendsonne – Gourmetprodukte aus dem eigenen Garten, sizilianischen Zutaten, alles aus der Region.

Und dann das Dinner im Lumia Organic Restaurant. Farm to table – aber nicht als Marketing-Begriff, sondern als echte Überzeugung. Artischocke mit roher weißer Garnele und Trüffel aus Palazzolo Acreide, dazu Etna Rosso. Frische Pasta nach Art der Norma. Zum Abschluss wilde Erdbeeren mit Doppelrahm und Mandelwaffel, Passito di Pantelleria. Jeder Gang war durchdacht, jede Weinbegleitung saß. Ein unglaublich leckeres Essen in einer angenehmen atmosphäre. Hochwertig, aber ohne pompös zu sein.



Übrigens: Übernachte im Passo Ladro
Denn nicht nur das Restaurant war ein Besuch wert, hier könnte ich schon gut und gerne mal 2-3 Nächte bleiben.


Tipp: Übernachte im Masseria Costanza
Die Masseria Costanza in der Nähe des Vendicari-Naturschutzgebiets ist ein wirklich besonderer Ort zum Übernachten: eine historische sizilianische Masseria, umgebaut zu einem Boutique-Landhotel, umgeben von Natur und absoluter Stille. Nicht für alle – aber für die, die genau das suchen, unschlagbar.


Noto- Barock, Streetfood, goldenes Licht
Noto ist eine dieser Städte, die man nicht wirklich erklären kann – man muss einfach dort sein, wenn das Sonnenlicht auf den barocken Sandstein fällt und die ganze Stadt zu leuchten beginnt. Das UNESCO-Weltkulturerbe im Süden Siziliens ist ein Muss, auch wenn es touristischer ist als der Rest unserer Route. Wir haben das historische Zentrum zu Fuß erkundet, Streetfood probiert und einfach geschlendert.


Siracusa – und warum du genau dort eine Aufführung schauen solltest
Der letzte Tag gehörte Siracusa – und er hat mich am meisten überrascht. Wir haben den Neapolis Archäologischen Park besucht: das griechische Theater, das Ohr des Dionysios, die Latomia del Paradiso. Ich bin nicht jemand, der sich normalerweise super für antike Stätten begeistert – aber das Griechische Theater in Siracusa ist einfach atemberaubend. Es ist ziemlich groß, es ist gut erhalten, und wenn man dort steht und sich vorstellt, dass hier vor über 2.000 Jahren Aufführungen stattgefunden haben, wird es einem kurz still.
Aber auch heute finden noch klassische Dramen Aufführungen statt. Im Jahr 2025 waren ca. 170.000 Besucher vor Ort.

Was kaum jemand weiß:
Im griechischen Theater in Siracusa finden jedes Jahr im Mai und Juni klassische Theateraufführungen statt – antike Tragödien und Komödien, aufgeführt in der originalen Arena. Das ist kein musealer Schulausflug, das ist echtes Open-Air-Theater an einem der eindrucksvollsten Orte der Welt. Tickets können im Voraus für ca. 28-65€ gebucht werden und ich würde das beim nächsten Mal definitiv einplanen.

Praktische Infos
Anreise: Flug nach Catania (Fontanarossa Airport) – gut verbunden aus ganz Deutschland und Österreich
Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober – angenehme Temperaturen, weniger Trubel
Must-do: Dinner bei Lumia Organic Restaurant, Etna-Trekking mit lokalem Guide, Theateraufführung im griechischen Theater Siracusa (Tickets vorab buchen!)
Unterkunft-Tipp: Masseria Costanza (Vendicari), Terrazze dell’Etna (Etna-Region)

Fazit
Fazit – Für wen ist dieses Sizilien?
Wenn du Sizilien kennst und dachtest, du weißt, was dich erwartet – die Etna-Region und der Süden rund um Noto werden dich überraschen. Und wenn du Sizilien noch gar nicht kennst: Dann fang hier an. Nicht mit dem Massentourismus-Sizilien, sondern mit diesem.
Diese Art von Reise ist nichts für alle. Sie ist ruhiger, langsamer, weniger glamourös – dafür echter. Für alle, die lieber mit einem Winzer über seinen Boden reden, als am Pool zu liegen. Für alle, die ein Dinner mit lokalen Zutaten als Highlight sehen und nicht als Pflichtprogramm. Und für alle, die lieber irgendwo stehen und einfach schauen – als hetzen und abhaken.
Sizilien hat mir in diesen vier Tagen gezeigt, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt. Und das ist das beste, was eine Reise dir geben kann.
